21.10.2021

Nr. 64: Neuordnung.

Es sind seltsame Zeiten. No na, vieles liegt hinter uns, vieles liegt neben uns, vieles vor uns, und eher weniges davon lässt sich als positiv, freudvoll, erbaulich bezeichnen. Psychologisch logische und nachvollziehbare Entwicklungen und Zustände wie individuelle und kollektive Erschöpfung treffen auf (oder bedingen) starke Rückzugsbewegungen und damit das Auseinanderbrechen von Gesellschaft und sozialen Zusammenhängen, im schlimmsten Fall zu Vereinzelung, im besseren zu Tribalisierungen. Geteilte Werte und Wahrheiten haben in einer Gesellschaft im Dauerstress und in Dauerpolarisierung ausgedient, wie sich nicht nur an aktuellen politischen Debatten ablesen lässt. Begonnen hat das schon 2015 mit der „Flüchtlingskrise“, die Frage ist, was davor war und wie es soweit kommen konnte. Ich weiß es nicht.

Was man derzeit wissen kann, ist, dass aktuelle Entwicklungen logisch und verständlich sind und nicht überraschen. Sollen sie sich mittel- und langfristig nicht in den Köpfen und Seelen der Menschen als tiefe Spuren und Rillen einbrennen, die die weitere Richtung vorgeben, hätte man längst gegenlenken müssen. Dafür ist es jetzt zu spät. Es wird neue „Führer-Figuren“ geben, die gestressten, verunsicherten, hoffnunglosen und überforderten Bürgern eine „schnelle Lösung“ versprechen und Sand in die Augen streuen, große Teile der Bevölkerungen werden darauf hereinfallen und blind folgen. Selbes gilt im übrigen für rigide, radikale Ideologien, die „einfache Lösungen“ versprechen, indem sie etwa eine Bevölkerungsgruppe oder eine (andere) „Ideologie“ für alles Übel der Welt verantwortlich machen und in der „Reinigung“ der Gesellschaft von diesen Elementen die Endlösung sieht.

Es wird irgendwann und irgendwo wieder Hoffnung geben, auch in globalen Krisenzeiten wie etwa dem zweiten Weltkrieg gab es Erdgegenden, die davon nicht betroffen waren. Oder die gegen diesen Wahnsinn aufstanden. Dass diese Hoffnung aber von altbekannten „Mächten“ ausgehen wird ist sehr unwahrscheinlich. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind unvereinigt und zerbrochen, politisch, gesellschaftlich und kulturell tot. Hoffnung gibt es für Europa, dessen Trägheit in diesem Fall zum Anker werden kann. Größte Hoffnung gibt es für (Ost-)Asien, das derzeit bereits in vielen Bereichen als Führungsmacht vorprescht. Möglicherweise auch für manche Staaten Afrikas, sofern sie politische Defizite und Korruption unter Kontrolle bringen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s