16.6.2021

Nr. 59: Verloren.

Ich sehe, dass der letzte Eintrag hier 1.5 Monate her ist. Macht Sinn. Warum seitdem nichts mehr? Weil ab dann absehbar war, dass tatsächlich Öffnungsschritte kommen würden bzw. diese auch tatsächlich kamen. Alleine mit der Perspektive änderte sich das Empfinden, da es eine gab. Nachdem die Perspektive zur Realität geworden war, unternahm ich ganz gezielt mehreres Sachen, um mich selbst zu therapieren, die Tanks wieder zu laden, die Corona-Depression von davor zu kurieren. Das hat ganz gut geklappt, seit mehreren Wochen ist die Stimmung spürbar besser. Nicht mehr jeder Tag fühlt sich wie ein Überlebenskampf an, ein Strampeln gegen das Ertrinken.

Und trotzdem: Irgendetwas ist anders. Es ist nicht wie davor. Auch nicht wie letzten Sommer. Zu viel ist passiert. Privat viel Gutes, und wer weiß, wie es mir ginge ohne dem. Aber abgesehen davon: Alles Mist. Erst keine Arbeit, dann wenig, dann mehr, aber keine Motivation, weil vieles weiterhin unklar. Die Menschen am Ende, durchgedreht, jene, die das nicht schon während des letzten Mega-Lockdowns getan hatten, machen es jetzt. Kein Diskurs mehr, kein Respekt, kein Anstand, nur Hass – zu sehen selbst bei unserer „Führung“, der Spitze des Staates, der Politik. Ein Trauerspiel.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, von dieser Verrohung, diesem Rückfall in die Barbarei, auf allen Ebenen. Man kann sich nur abwenden. Es ekelt mich. Es ist alles egal. Warum noch Würde bewahren? Schauspielerkollegen, die sich gegenseitig die Pest an den Hals wünschen, weil der andere Dinge etwas anders sieht. Wo ist die Toleranz, die so viele (scheinbar) predigen? Wasser predigen und Wein flaschenweise trinken. Ein Graus.

Die Gesellschaft ist zerfressen von Missgunst, Hass, Egoismus, Narzissmus, niemand tut etwas dagegen, alle sehen dabei zu. Soll man das verstehen können? Wegen der Krise geht es keinem gut, post-Corona-Depression, was auch immer? Aber wer steht auf, wer führt und leitet durch gutes Beispiel? Nicht die Politik, die hat versagt. Vielleicht nicht bei der Bekämpfung der Krise, aber bei der Vorbildfunktion.

Es ist deprimierend, die schönsten Blumen können nicht wachsen auf verdorbenem Boden, zwischen Unkraut. Blumen, das sind Hoffnung und Leben, das andere die Realität.

***

Was wird verloren sein? Was wird nie mehr zurück kommen? Was ist kaputt gegangen? Vieles, vieles. Wer baut es wieder auf, wer bringt es zurück? Niemand. Lost Generation.

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