26.4.2021

Nr. 58: Emotio.

Ich wusste nicht, ob ich heute etwas schreiben würde, und worüber. Die #allesdichtmachen-Geschichte scheint mir auserzählt und langsam kriegen sich die Leute wieder ein, und ich muss mich da nicht immer mit so schwerem Zeugs befassen. Mir wird öfter gesagt, ich wäre zu rational, zu kontrolliert, zu „kalt“, wobei ich nicht sicher bin, ob das nur mit mir zu tun, oder auch mit anderen. Jedenfalls aber fällt es mir schwer, Emotionen zu zeigen, bevor ich etwas sage, denke ich nach, und Emotionen werden erst kommuniziert, wenn sie intern beachtet und betrachtet worden waren. Das ist mühsam, aber auch vernünftig, aber auch etwas lebensfremd.

Kontrolle ist das Stichwort, und kontrollieren können, auch sich selbst, ist wunderbar. „Kontrolliert“ heißt das, wiegt einen in Sicherheit, hebt einen über andere, die ihren Emotionen ausgeliefert sind, wie Tiere. Instinkte. Oder so. Oder echt? Ich weiß nicht, ich kann meine Ideale ideengeschichtlich und philosophisch begründen, stört es MICH denn, leide ich darunter? Nicht wirklich. Leiden andere darunter? Ich weiß es nicht, möglich, zeitweise. Mir scheint das Problem zu sein, dass jemand, der sein Leben mit der ratio steuert, wenig fühlt, wenig Negatives, aber auch wenige Positives. Das mag ein Problem sein.

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Warum diese Gedanken vorweg? Ich weiß es auch nicht, nur so, weil ich schreiben möchte, und meinen Gedanken freien Lauf lasse. Loslassen, Kontrolle abgeben, nicht alles muss klug und perfekt und vollendet sein, nein. Wie bin ich eigentlich auf das Thema gekommen? Ich vermute, aufgrund der Frage, wie ich mit der Corona-Krise umgehen soll, die ich mir stelle und sich immer mehr Menschen stellen. Es ist frustrierend, deprimierend, beschissen, fatal, traurig, furchtbar, schrecklich und zu viel. Alles. Die Gefahr, die allerdings haben wir inzwischen ganz gut unter Kontrolle, ich sorge mich wenig darum. Zu viel ist mir, dass wir kein Leben mehr haben, kein Leben wie davor, keine Möglichkeiten, aktiv das Leben zu gestalten, nach draußen zu gehen, Initiative zu zeigen, unsere Spuren in der Welt zu hinterlassen. Denn wir sind eingesperrt, zu Hause, alles ist auf Stopp, nichts geht, nichts geht, nichts geht. Müde, tot, Ende, fatal, träge, müde, nichts, besiegt?

Emotion, ich versuche, nicht das zu sagen, was klug, richtig, wichtig ist oder richtig ankommt, sondern das, was ich fühle. Es ist OK, dass ich das fühle. Ich. Ich. Und niemand sonst. Und ich muss mich nicht darum kümmern, was andere fühlen. Nein. Nicht.

Wie geht all das weiter? Ich weiß es nicht, und ich muss es nicht wissen. Ich mache das Beste draus, ich probiere, nehme an, was ich habe, tue, was ich tun kann, flüchte, wenn ich flüchten kann, genieße, wenn ich genießen kann. Aber darf auch leiden, liegen, verzweifeln, müde sein, genug haben, wütend sein und all das hassen. Das ist auch OK. Solange das OK ist, kann nichts passieren.

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