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Das Knackgeräusch von Joes Nase hörte sich an wie das Öffnen einer Dose, und ebenso wie dabei spritzte Flüssigkeit heraus. Die war allerdings nicht Cola, sondern Blut. Joes Blut vermengte sich mit Juliettes, das bereits den Boden bedeckte. Er schien keine Schmerzen zu verspüren. Als er sich gesammelt hatte, ging er nach draußen, warf die Tür hinter sich zu und stapfte hinunter zu seiner Wohnung. Er verschloss die Tür hinter sich und legte sich ins Bett, dessen weißer Bezug sich alsdann rot färbte. Joe begann zu husten, danach zu heulen: Tränen flossen über sein Gesicht, er schluchzte laut und warf seinen Polster gegen die Wand. So ging das gute 20 Minuten, in denen Joe seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Er wollte zu Juliette, wollte gleichzeitig alleine sein, seltsame, wirre Gedanken schossen ihm durch den Kopf, dazu Misanthropie, Hass – und Müdigkeit, die sich vor allem auf die verlängerte Ausgangssperre bezog.

Joe wusste nicht, was er machen sollte. Er überlegte fiebrig nach einem Ausweg, der die Lage erträglicher machen konnte. Meist versuchte er, Herausforderungen mit der ratio zu lösen, gedanklich, und störende Gefühle dabei außer Acht zu lassen. Störend. Gut, doch damit kam er jetzt nicht weiter. Wie fühlte er sich? Einsam. Wütend. Ohnmächtig. Lustlos. Er atmete mehrmals tief ein und aus und erhob sich dann aus dem Bett. Er wusste nicht, wie spät es war, es war ihm auch egal. Er bestellte bei seiner Stammpizzeria 2 Riesenpizzen, dazu Bier. Als nach bereits 15 Minuten die Lieferung eingetroffen war, aß er in Ruhe und verdrückte beide Pizzen auf einmal. Nachdem er das Bier getrunken hatte ging er ins Bad, duschte sich und machte sich zurecht, das inzwischen eingetrocknete Blut im Gesicht bröckelte in kleinen, schwarzen Stückchen ins Waschbecken. Joe blickte in den Spiegel: Er versuchte, sich dabei nicht zu hassen.

Danach zog er sich an und verließ die Wohnung gen oben. Als er bei Juliette klingelte, dauerte es keine 10 Sekunden bis sie öffnete. Sie fiel ihm in die Arme, schmiegte sich an seinen Körper, seufzte und flüsterte heiser, aber lustvoll: „Das war genug. Wir haben alles. Spiele, nur Spiele, an sich egal. Aber lass uns uns sein. Geh nicht mehr weg.“

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