12

Zwei Wochen später. Der Tod der Mary hatte Joes und Nachbarins sich anbahnende Beziehung zunehmend belastet. Nach dem ersten Schock verkroch sich Juliette für 3 Tage in ihrer Wohnung und schickte Joe nach oben. Er wechselte hin- und her zwischen seiner eigenen Wohnung, der Wohnungswohnung nebenan und dem Zelt, das er nun wieder in einem anderen, großen Zimmer aufgestellt hatte. Er begann, wieder zu lesen, schaute abends alte Filme im Fernseher, aß regelmäßig und betrank sich an 2 Abenden. Ihn selbst schien die Situation wenig zu belasten, nach einem halben Tag der Trauer hatte er damit abgehakt. Die Polizei kam einmal vorbei und fragte Hausbewohner nach dem Hergang. Joe und Juliette wurden auch gefragt, sparten einige Details des gemeinsamen Abends aus, berichteten aber von dem vorausgehenden und nicht erfolgreichen Suizidversuch der debilen Dame. Die beiden Polizistinnen teilten mit, dass die Dame wohl „amtsbekannt“ gewesen war und immer wieder für Aufregung sorgte, zudem in psychiatrischer Behandlung gewesen sei, die sie vorzeitig abgebrochen hatte. Für Joe war damit die Angelegenheit endgültig erledigt.

Juliette kam nach ihren 3 Trauertagen zu Joe herunter, sie quatschen belangloses Zeug und sie schlief eine Nacht bei ihm, bevor sie wieder nach oben verschwand. Den Rest der zwei Wochen hörte und sah Joe nichts von ihr.

Schließlich rang sich Joe dazu durch, oben vorbeizuschauen. Die Tür war verschlossen. Als er klingelte, öffnete ihm Juliette in Jogginganzug und Decke gewickelt. „Wurde auch Zeit“ sagte sie und bat Joe herein. Der blickte sie fragend an, sparte sich aber einen Kommentar und betrat die Wohnung. Hier schaute es aus wie in einem Saustall: Leere Pizzaschachteln, fast ein dutzend leere Weinflaschen, 3 Vodkaflaschen, mehrere Tüten, eine Packung Zigaretten, ein paar leere Bierdosen verzierten den Wohnungsboden, Staub tat sein übriges. „Was war denn hier los sag mal?“ fragte Joe. Juliette zuckte die Achseln, ging in ihre Küche, zündete sich eine Zigarette an, die sie aus einer Lade fingerte und ließ sich danach auf ihre Couch fallen. „Was ist denn mit dir?“ fragte Joe, sie zuckte abermals die Schultern, meinte nur „Was soll sein? Was willst du denn?“ und rauchte genüsslich weiter. Joe wusste nicht so recht, was er mit dieser seltsamen Szenerie anfangen sollte. Er nahm sich eine Zigarette aus der offenen Lade und zündete sie an. Juliette zog die Fernsehfernbedienung irgendwo aus ihrem Deckengewand und schaltete einen News-Sender ein. Dort wurde eben verkündet, dass die Ausgangssperre um weitere 3 Wochen verlängert wurde.

Joe nahm eine der leeren Flaschen und schmiss sie gegen die Wand. Juliette stand auf, ging zu den Scherben und griff hinein. Eine schnitt in ihre Hand, die blutete, rote Tropfen verteilten sich am Wohnungsboden. Dann ging sie zu Joe, schüttelte die restlichen Scherben von ihrem Arm, wischte sich das Blut in den Jogginganzug, baute sich vor Joe auf und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s