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Er stand hinter ihr, sie hatten Sex. Joe fühlte sich seltsam dabei, da er sich diese Tage innerlich auf Juliette konzentriert hatte. Nun war hier diese Dame, die offenbar ihrerseits bereits etwas mit Nachbarin gehabt hatte, also sollte sich Joe keine Gedanken darüber machen müssen. Er tat es dennoch. Nach einigen Minuten hörte er auf und ging von ihr weg. Sie blickte sich um und bedeutete ihm, doch weiterzumachen, doch er winkte er. Er ließ sich auf die Couch im Wohnzimmer fallen und schloss die Augen: Durch das Fenster fiel auch hier Licht, das wärmend seinen nackten Körper bedeckte. Er wollte schlafen und träumen, doch Mary ließ nicht locker. „Was ist jetzt, du Freak? Komm schon und bring’s zu Ende!“ Joe öffnete die Augen und grinste zurück. Er zwinkerte ihr zu, sie verstand: Mach’s dir doch selber. Sie ging in die Küche, schnappte sich ein brauchbares Utensil und tat, wie ihr davor augenzwinkernd befohlen. Joe schaute auf der Couch liegend zu und hatte seine helle Freude. Nach nur 3 Minuten war das Schauspiel zu Ende, Mary nahm das nun nasse, nützliche Utensil und legte es in der Küche an seinen angestammten Platz, während sie kurz auflachte. Dann nahm sie ihre Sachen, die am Boden herumlagen, zog sich an, winkte Joe zu, flötete leise „Bye, war nett!“ – und verließ die Nachbarinnenwohnung.

Joe dachte sich nichts dabei und nickte ein.

Rund 15 Minuten später hörte er durch die angelehnte Balkontür einen Schrei, danach einen dumpfen Knall. Danach Stille. Er sprang auf, lief zur Balkontür und schritt hinaus: Unten lag Mary in einer riesigen Blutlache dort, wo gestern noch der Müllcontainer gestanden hatte. Sie bewegte sich nicht und gab keinen Laut von sich. Ein Passant eilte herbei, der das Ganze beobachtet hatte, versuchte sie anzusprechen, schüttelte sie. Der Passant nahm sein Handy, rief offenbar die Rettung und wartete einige Minuten, bis der Blaulichtwagen eintraf. Mary wurde auf eine Bare gelegt, in den Wagen gehievt, der davonbrauste. Er hinterließ den verdutzten Passanten und eine riesige Blutlache, die die eben einsetzenden Schneeflocken magnetisch anzuziehen schien, die auf ihr landeten und in Sekundenschnelle im warmen, roten, glänzenden Blut zerschmolzen.

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