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Es war der darauf folgende Morgen: Nach seinem Zelturlaub in der Nachbarswohnung hatte Joe das Ding in die Wohnungswohnung gestellt, sich eine Weile hineingelegt – Urlaub im Zelt in der Wohnungswohnung quasi, umgeben von 3 Schutzschichten vor der Welt da draußen -, um schließlich wieder in seine Wohnung hinüberzugehen. Dort hatte er lange geschlafen, es war bereits 11 Uhr vormittags, als Joe erwachte. Inzwischen fühlte er sich auch wieder ausgenüchtert und machte sich Kaffee. Draußen schneite es in dichten Flocken, am Balkon hatte sich eine bestimmt 30 cm hohe Schneeschicht versammelt.

Joe badete, aß eine Kleinigkeit und verließ seine Wohnung, um nach oben zu gehen. Er läutete an Juliettes Tür, die sich aber nicht öffnete, obwohl Joe Geräusche im Innenraum vernahm. Nach etwa 10 min ging die Tür auf, heraus blickte eine verkatert dreinschauende Nachbarin mit tiefen Augenringen, die ihren Körper mit einer Decke bedeckte. „Na, gut geschlafen?“ fragte Joe, was sie mit einem ironischen Lächeln quittierte. „Was ist gestern passiert?“ fragte Juliette, „Ich weiß es nicht“, antwortete er. Joe trat ein und sah im Wohnzimmer mehrere Weinflaschen am Boden liegen, die allesamt geleert aussahen. „Wer war zu Besuch?“ fragte Joe. „Haha“ sagte sie und ließ sich auf ihre Couch fallen. Joe ging in die Küche, wo er ein Telefon entdeckte, und wählte die Nummer seiner Stammpizzeria, wo er 2 Riesenpizzen bestellte, ohne Nachbarin davor zu fragen, was sie wollte. Die schien ohnehin nicht bei sich zu sein. Joe durchwanderte ihre Wohnung. Er konnte sich nicht mehr erinnern, ob er das schon einmal getan hatte, das meiste kam ihm unbekannt und neu vor, es war auch egal. Nachbarinwohnung hatte einen kleinen Balkon, auf den nur ein Sessel passte, der aber überdacht war. Joe trat hinaus und blickte in die Ferne, wo er nichts sah. Ober ihm öffnete sich plötzlich ein Fenster, er sah einen weiblichen Körper, der nach vorne kippte, nach unten plumpste, sich einen Arm ein einem Masten stieß, der einen Stock tiefer nach vorne ragte, pfeilschnell nach unten schoss – und in einem Container landete, der mit Müllsäcken befüllt war. Von unten hörte Joe ein „Scheiße, verfickte!“, dann raschelnde Geräusche, die ankündigten, dass sich bald jemand aus dem Müllsackberg schälen würde: Es war eine junge Frau, die Joe davor noch nie im Wohnhaus gesehen hatte und deren Selbstmordversuch offenbar ein bisschen schief gegangen war. Sie krabbelte am Container hoch, sprang auf die Straße, trat wütend auf das monströse Metallding ein und hielt sich ihren Arm, der schief nach unten hing. Dann ging sie durch die Wohnhaustür nach drinnen und war verschwunden. Joe blickte auf Nachbarin, die nun eingeschlafen war, verließ ihre Wohnung, aber ließ die Tür offenstehen. Er eilte nach unten, wo er im Erdgeschoss suizidäre Mitbewohnerin traf. Ihr Arm hing immer noch schräg nach unten, ihr schien das jedoch nichts auszumachen. „Was hast du gemacht?!“ fraget Joe. „Wollte springen, scheiß Müll, verdammter“ kam zurück, sonst nichts. „Und nun?“ wollte er von ihr wissen. „Kein Plan. Sollte wohl nicht sein. Bin enttäuscht, so sad. Nochmal tu ich mir den Stress nicht an. Wo wohnst du?“ „An mehreren Orten. Derzeit bei einer Nachbarin. Komm doch mit.“

Die beiden stapften die Stufen nach oben, während junge Frau an ihrem Arm herumzupfte. „Ausgehängt“ kommentierte sie, schlug den Arm gegen das Stiegengeländer, der sich daraufhin wieder „einzuhängen“ schien, da er eine halbwegs normale Position einnahm. Er war aber geschwollen und blau an einigen Stellen. „Geht wieder“ sagte sie, als die beiden durch die offene Wohnungstür von Nachbarin traten. Die schlief immer noch, Joe gab seiner Begleitung ein Glas und suchte nach Alkohol, den er ihr schließlich einschenkte. Sie trank und entspannte sich, da läutete es an der Tür. Pizzamann war da mit den 2 Riesenpizzen, die Joe bestellt hatte, mit sich nach drinnen nahm und am Wohnzimmertisch platzierte. Es roch herrlich.

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