8

Joe verließ die Nachbarswohnung und stapfte die Stufen hinunter, bis er das Erdgeschoss erreichte, von dem aus eine Tür in den Keller führte. Das Stiegenhaus war dunkel, es gab keinen Lichtschalter und es roch modrig. Er nahm zirka 50 Stufen, bis er eine Etage erreichte, von deren Decke eine kleine Glühbirne hängte, die den Kellervorraum in schummriges Licht tauchte. Von dem Vorraum führten mehrere Gänge weg, die jeweils nummeriert waren. Joe suchte nach dem richtigen Gang, der zum Abteil führen sollte, das auf dem Schlüssel vermerkt war. Danach machte er einige Schritte, bis er das Abteil erreichte, das nur wenige Meter entfernt war. Der Schlüssel sperrte und vor Joe öffnete sich ein rund 15 m2 großer Raum. Dieser war durch eine Neonlampe beleuchtet, die sich offenbar durch das Entsperren der Tür eingeschaltete hatte. Darin befanden sich mehrere Kisten, die aufeinandergestapelt in einer Ecke standen, ein Anhänger, der wohl an ein Auto angehängt werden konnte und einer Zelt, das aufgebaut inmitten des Raumes stand. Ansonsten war das Abteil leer.

Joe betrachtete alles einige Minuten und überlegte. Dann machte er kehrt, sperrte wieder ab und stapfte die Stufen nach oben. Er hatte Schmerzen im Nacken, ein übles Ziehen, das sich anfühlte, als würde eine schwere Last auf seinen Schultern liegen. Er machte einen Abstecher vor die Haustür, schnappte Luft, und ging wieder hinein, dann nach oben zu seiner Wohnung, die sich nun mit dem Schlüssel aufsperren ließ.

**

Als Joe erwachte, war es bereits dunkel. Er musst mehrere Stunden verschlafen haben. Als er sich umsah, bemerkte er, dass er am Boden seiner Wohnung lag. Er konnte sich nicht erinnern, wie er hier gelandet war. Auf dem Küchentisch fand er eine halb leere Vodkaflasche, daneben ein leeres Glas, am Boden mehrere Zigarettenstummel. Eines seiner Balkonfenster war eingeschlagen, eisiger Wind pfiff herein, verziert mit einigen Schneeflocken: Es hatte zu schneien begonnen. Joe holte Plastikfolie aus der Küche und verklebte das etwas 30 cm große Loch im Fenster damit, drehte die Heizung auf die höchste Stufe und ließ sich schließlich ein Bad ein. Von Nachbarin gab es keine Zeichen, möglich, dass sie die letzten Stunden nach unten gekommen war, doch Joe hatte die Wohnungstür offenbar verschlossen, sie hätte also nicht eintreten können, auch wenn sie gewollt hätte. Und ein Klingeln oder Klopfen hatte Joe bestimmt nicht gehört in seinem Zustand. Das Bad war heiß und wohltuend, Joe versank in Gedanken. Er nickte für rund 20 Minuten ein, danach war das Wasser kalt, Joe ließ neues Wasser in die Wanne und blieb weitere 30 Minuten liegen. Er dachte über sein Leben nach, darüber, dass alles keinen Sinn zu machen schien und dass er jegliche Lust an allem verloren hatte. Er erinnerte sich an Scheinbergs irre Aktion, die in ihm nun eine seltsame Freude auslöste. Danach versank er wieder in einem undefinierbaren Zustands der Teilnahmslosigkeit, der rund 10 Minuten andauerte, bis er merkte, dass das Wasser erneut kalt war. Joe wollte aufstehen und sich abtrocknen, wusste aber nicht, wozu.

Er wusste auch nicht, was er tun sollte, wenn er denn dann aufgestanden sein würde. Trotzdem erhob er sich schließlich aus der Wanne, trocknete sich ab und ging in den Wohnraum. Er zwang sich dazu, die Wohnung zu verlassen, ging erneut in den Keller, baute das Zelt, das inmitten des Raumes stand, ab und nahm es mit nach oben. In der Nachbarswohnung suchte er sich ein großes, leeres Zimmer, wo er das Zelt wieder aufbaute, danach holte er sich Essen aus dem Schrank mit den Vorräten aus der Wohnungswohnung, das er im Zelt sitzend verzehrte. Auch holte er einen kleine Stehlampe, die batteriebetrieben war, von dort und leuchtete damit das Zelt aus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s