25.12.2020

Nr. 51: Re-Vision.

Weihnachten. Sollte sein. Gestern, oder heute. Es fühlt sich hingegen an wie der x-te Tag einer mittelschweren Depression, an dem man null Lust hat, irgendetwas zu tun, und sich trotzdem zwingt, aufzustehen. Das liegt nicht an Weihnachten, dem Wetter, dem Mangel an Schnee, sondern an Corona und der kollektiven Corona-Depression, die immer mehr um sich greift. Menschen, die man für halbwegs vernünftig hielt, verabschieden sich in Verschwörungsgeschwurbel. Persönliche Bekannte wie öffentlich bekannte (neuester Patient: Roland Düringer, der das Relativierungs-ABC vorwärts und rückwärst aufsagt, „Rauchen und fett essen ist ja auch ungesund“ – so wie Corona – und so weiter, dabei aber außer Acht lässt, dass mögliche Folgeerkrankungen dieser Lebensweisen erforscht und behandelbar sind, dass niemand gezwungen ist, zu rauchen oder ungesund zu leben. Wir aber alle – ob wir wollen, oder nicht – der Corona-Gefahr ausgesetzt sind, sobald wir unser soziales Leben ohne Beschränkungen wieder aufnehmen. Ich rate dem Herrn ein Gespräch mit jemandem, der Covid (gut) überstanden hat, ansonsten ist er nicht weiter ernst zu nehmen und zu beachten.)

Es ist vielleicht kein Wunder, dass gerade am politisch rechten Ende der Verschwörungsirrsinn am meisten um sich greift: Bereits zur „Flüchtlingskrise“ wurden real existierende Probleme und Herausforderungen aufgebauscht, irrationalisiert, emotionalisiert, vereinfacht und mit verschwörungsartigen Bedeutungen versehen. Dahinter steht stets die bewusste oder unbewusste Absicht, einfache Lösungen für komplexe Probleme zu finden, da die psychische und emotionale Verarbeitungskapazität überschritten ist. Mir scheint, dass diese Tendenz besonders am rechten Rand vorhanden ist, aber auch am linken, der sich mit seinen Warnungen vor der autoritären „Corona-Diktatur“ und der Fixierung auf eine Person als „Grund allen Übels“, deren Eliminierung alles Probleme lösen würde, nun auch rhetorisch mit dem rechten Gegenüber vollends verbrüdert hat.

Das Problem des Ganzen ist doch folgendes: Es dauert alles schon viel zu lange. Es gibt keine Aussicht, keine realistische Perspektive, wann es vorbei sein wird – wobei „vorbei“ vielleicht ohnehin eine Illusion ist, zumindest was die nächsten paar Jahre betrifft. Corona krempelt unseren Alltag um, wie der letzte Weltkrieg nicht mehr – und das nicht nur lokal, sondern global. Es gibt keinen Ausweg, keine Flucht, es betrifft alle gleichermaßen – und wir müssen uns wohl damit abfinden, auf unser Leben und unseren Alltag, so wie wir ihn kannten, auf absehbare Zeit verzichten zu müssen. Und daran zugrunde gehen. Oder Alternativen finden.

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