7.10.2020

Nr. 45: Voyeurismus und Langeweile.

Man ertappt sich bei seltsamen Beschäftigungen dieser Tage: Donald Trump, bester Covid-Patient ever with huge recovery, hält die USA mit seinem Wahnsinn wieder mal in Atem, der orange Kartenhaus-tower steht kurz vor dem finalen Einsturz. Konkurrent Joe Biden, der einen überraschend soliden, souveränen und überzeugenden Wahlkampf hinlegt und alles richtig macht, das Clinton vor 4 Jahren gemacht hat, zieht in Umfragen davon (bis zu 16 % plus!) während sich Trump bester Gesundheit rühmt, die wohl eher narzisstische Halluzination denn Faktum ist. Nun berichten US-Sender, von denen ich nur CNN empfange, rund um die Uhr von diesem Drama, und man kann kaum hinschauen, aber wegschauen kann man auch nicht.

Kaum hinschauen mag man natürlich wegen Trump, wobei ich inzwischen weniger oder kaum noch von Angst und Sorge erfüllt bin, sondern von Lust an der Zerstörung und purem Voyeurismus, weil mich persönlich das alles nicht mehr betrifft oder betreffen will: Sollten die USA in einen neuen Bürgerkrieg mit anschließender Sezession schlittern, ist mir das herzlich egal. Kaum hinschauen mag man aber auch bei CNN, und das ist tatsächlich einer der wenigen Punkte, bei denen madmann Trump zumindest im Ansatz Recht hat: Von objektivem Journalismus ist das eingebildete und besserwisserische Geplapper der hysterischen CNN-Anchors soweit entfernt wie Trumps Tweets von irgendeinem nachvollziehbaren Sinngehalt. Mir war bisher nicht bewusst, wie kaputt die US-Medienlandschaft – auf beiden Seiten – ist.

Wegschauen mag ich trotzdem nicht, denn diese tristen Zeiten bieten so wenige Freuden, und seien es bösartige und zynische wie die oben beschriebene.

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Dagegen ist die bei uns anstehende (Wien-)Wahl geradezu einschläfernd langweilig: Der Schwachsinn von Strache, was Psychopathologie betrifft inzwischen der österreichische Trump für Arme, ist ausgelutscht, die FPÖ-Kampagne um Nepp durchschaut wirklich jeder Depp, die NEOS haben einen Spitzenkandidaten mit dem Charme eines Aktenordners und wenn die Grünen-Chefin spricht, muss man sich unweigerlich die Ohren zuhalten. Für den substanziellen Gehalt des türkisen Wahlkampfs lassen sich nicht so viele Nullen finden, wie Gernot Blümel bisweilen vergisst. Und Michael Ludwig spult solide sein Programm ab, aber Michael Häupl ist er keiner: Schnarchlangweilig, und ich überlege tatsächlich, nicht zur Wahl zu gehen, da mich keine Partei nur ansatzweise überzeugen konnte. Unsere Luxusprobleme hätten die Amis wohl gerne, daran sollten so manche histrionische Austro-Twitteranten- und innen ab und an denken, wenn sie wieder mal für 5 heiße Minuten die Welt untergehen sehen.

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