21.5.2020

Nr. 26: Nachhall und nachhaltig.

Menschen gehen unterschiedlich mit Corona um; die einen versinken in Depression oder Übervorsichtigkeit, andere bekommen es mit der Angst zu tun, wieder andere versuchen, die Situation durch übertriebenen Stress und Aktivität zu überspielen oder zu verdrängen. / In den letzten Tagen hatte ich seit langem die ersten beiden realen Treffen, in Lokalen / Cafes. Seltsam ist das Ganze immer noch, wobei man ja abgelenkt ist, wenn man in ein Gespräch vertieft ist. Entspannung oder Genuss ist aber nur sehr eingeschränkt möglich. Wer glaubt, das ist nun wieder alte Normalität und alles easy, hat die Bedeutung der Corona-Krise nicht verstanden, oder verdrängt ihre globalen Konsequenzen, die noch nicht abschätzbar sind.

Derzeit ist alles irgendwie so ein Schwebezustand zwischen „Corona-Alltag“ der letzten Monate und „neuer Normalität“, die einiges erlaubt und ermöglicht, das die letzten Monate unmöglich war – aber mit Einschränkungen. Eine Einschätzung, wie sich die Lage bei uns weiterentwickeln wird, ob und wann eine zweite Welle kommt, und vor allem, welche sozialen und psychologischen (Langzeit-)Effekte das Ganze hat, ist schlicht unmöglich. Wer das negiert, der handelt kurzsichtig oder der hat seinen Mund-Nasenschutz etwas falsch im Gesicht angebracht (ein paar cm zu weit oben).

***

Immer wieder überrascht bin ich vom Egoismus vieler Menschen. Krisen verstärken bereits vorhandene Neurosen und Dispositionen, wenn man sich nicht bewusst damit auseinandersetzt. Die anfängliche Solidarität in der Krise weicht verstärkt Egoismen diverser Ausprägung und dem Unverständnis und der Wut darüber, dass man nicht so weitermachen kann wie bisher. Wenngleich Wut und Frust nachvollziehbar sind, ist es Ignoranz und die Negierung der Situation und ihrer Auswirkungen nicht. Es ist nicht weiter als ein besonders banaler Verdrängungsmechanismus, der vermutlich in der Unfähigkeit des Menschen gründet, Ohnmacht und Unsicherheit spüren und ertragen zu können oder zu wollen. Seis’s drum: Die Abwehr durch Selbstüberhöhung ist derzeit zwar ebenso nachvollziehbar wie Depression oder Angstzustände, bleibt aber pathologisch und daraus abgeleitete Handlungen nicht vernünftig oder nachhaltig.

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